Robbie Cornelissen

 

Lines Fiction: Der Film Labyrinth Runner startet mit einem joggenden Jungen und geht dann über in eine Schwarzweiß-Animation, die große gezeichnete Räume eröffnet und die Assoziation an eione riesige Untergrundstation nahelegt. Repräsentieren diese Hallen und Gänge den inneren Raum des Menschen?

Robbie Cornelissen: Der Film beginnt mit dem Jogger, geht dann langsam über in eine Schwarz-Weiß-Welt, die sich in Nummern auflöst und uns ganz langsam in eine andere Welt bringt, denn diese Szene zeigt sich in dieser anderen Realität auf einem Bildschirm. Da gibt es mehrere Verbindungslinien und Anknüpfungspunkte in diesem Stück. Wenn ich selbst jogge zähle ich immer (ich zähle mein Leben, ich zeichne mein Leben auf, der ganze kreative Prozess hilft, mir das Vergehen der Zeit bewusst zu machen…und ich mag Zahlen eifach), genauso, wie ich früher meditiert habe. Hier im Film läuft mein Sohn, er ist ein Teil von mir und was noch wichtiger ist, er ist in dem Alter, in dem man sich der eigenen Identität bewusst wird, und die innere Welt wird mehr und mehr bedeutsam. Dieser Wechsel von innerer zu äußerer Welt ist sehr wichtig in meinen Zeichnungen und Filmen, und dieser Film ist ziemlich auf der Kante zwischen beiden Welten angesiedelt.

Lines Fiction: Die Animation, die offensichtlich auf Papier-Zeichnungen beruht, wechselt von der 2-Dimensionalität des Papiers in die 3-Dimensionalität des Raumes. Wie bewerkstelligst du das und wie wurde dieses Konzept Teil deiner Arbeit?

Robbie Cornelissen: Als ich einmal einen Film von einer Zeichnung machte erkannte ich die Möglichkeiten der bewegten Linien, die Betrachter in die Zeichnung hineinzuziehen und in ihnen dieses gewisse Vertigogefühl zu erzeugen. Es brauchte einige Zeit, bevor ich mich vom Filmen einer Zeichnung weg, hin zur Arbeit mit Daniel Dugour bewegte, der ein 3D-Animator ist. Er transformiert meine Zeichnungen in seinem Computer und bewahrt dabei meine Handschrift und dieses Zeichnstiftgefühl. Zusammen lassen wir dann die Filme mit seinen Programmen entstehen. Ich mag dieses Gefühl zwischen 2-D und 3-D, zwischen computeranimiertem Film und Kohlezeichnung, zwischen Realität und Imagination.

Lines Fiction: Du zeichnest wandfüllende Zeichnungen auf Papier – sind diese Zeichnungen mit den Animationen verknüpft oder hast du da unterschiedliche Konzepte entwickelt?

Robbie Cornelissen: Meine Zeichnungen sind der Ausgangspunkt und die Filme eröffnen einen weiteren Eingang in meine Welt, alles stammt so ziemlich von einem Konzept her. In meiner Ausstellung im Centraal Museum in Utrecht kam zum ersten Mal diese ganze Welt von Zeichnungen, Filme, Tönen, Skulptur mit der Architektur des Raumes zusammen. An sieben Stellen in der Präsentationen gab es Animationen wie die bewegte Zeichnung, der Duschraum oder der Zahlenraum. Die Größe der Zeichnungen und der Filmprojektionen machen es den Besuchern möglich, Teil dieser Welt zu werden. Diese Perspektive ist eine Einladung, Teil der Zeichnung zu werden und im Labyrinth herumzuwandern.

www.robbiecornelissen.nl

The Labyrinth Runner, 2009
hand drawn animation and 3D

10:38 minutes

Animation in großer Auflösung (Flash)
Animation in high resolution (Flash)

Animation für iPhone, iPad
Animation for mobile devices

Robbie Cornelissen

 

Robbie Cornelissen

Centraal Museum, Utrecht

Robbie Cornelissen