Serge Onnen

 

Lines Fiction: Du hast eine ziemlich außergewöhnliche Art Animationen herzustellen, auf die ein konventioneller Animator nie kommen würde:
Du betonst die Wesentlichkeit deiner Zeichnung als Ursprung deiner Animation, indem du die Animation DEPOSIT aus einer einzigen Zeichnung entstehen lässt.

[ die Zeichnung Phenaticoscope wurde in der Ausstellung Lines Fiction 2011 gezeigt ]

Lines Fiction: Du hast erzählt dass du die Zeichnung in 8 Teile unterteilt, fotografiert und dann in einer Bild-für-Bild-Animation hintereinander moniert hast?

Serge Onnen: Es sind ja in Wirklichkeit nicht nur 8 Bilder, den jedes Bild besteht aus mehreren Bewegungs-Fenstern. Deswegen brauchst du eine Weile alles zu sehen, wenn die Animation läuft. Es ist nicht nur eine einzige Drehung und dan hast du’s. Ein Phenaticoscope herzustellen bedeutet immer eine Menge Arbeit. Aber seine Besonderheit ist, dass alles in einem einzigen Bild untergebracht ist. Ich mag Kunst als Idee in einem einzigen mächtigen Bild. In DEPOSIT geht es um das Recyclen von leeren Flaschen. Recycling und Rotation sind ähnliche Bewegungen. Das System des Flaschenpfands beruht auf der Idee, dass du die Flaschen von Laden nur geliehen hast und gegen einen kleinen Betrag zurück gibst. Eine finanzielle Transaktion in der nichts wirklich gekauft wurde. Im System des Recyclings tust du genau das Gegenteil: Zerstöre die Flasche öffentlich. Der Unterschied zwischen diesen Systemen ist wirklich dastisch. Bei Lidl in Berlin, nahe meines Studios in dem ich damals arbeitete, sah ich eine Maschine, die beide Vorgänge vereinte, das war verwirrend, lustig und interessant. Perfekte Elemente für ein Kunstwerk.

Lines Fiction: Ist das Medium Zeichnung und das Medium Animation untrennbar verbunden in deiner Arbeit?

Serge Onnen: ja ich möchte, dass die Animation die gleiche Qualität wie die Zeichnungen bekommen. Aber wenn man die Animation projiziert wird sie selbstständig in dem Sinne, dass sie keine Reproduktion der Zeichnung ist. Größe und Farbe können dabei von der Originalzeichnung abweichen. Eine Menge Animationen die ich sehe sind besessen von Technik und Perfektion. Ich interessiere mich dafür überhaupt nicht. Im Grunde sehe ich mir nur historische Animationen an. Ich mag es etwas rauher.

Lines Fiction: Die Animation BREAK ist auch ein Loop, sie basiert auf deinen Zeichnungen von Händen, die destruktive Momente zeigen – präsentierst du die Zeichnungen zusammen mit der Animation?

Serge Onnen: nein das tu ich nicht. Da geht es wirklich nur um die Animation. Wenn eine Animation verkauft wird bekommt der Käufer eine Reihe Zeichnungen dazu. Aber ich möchte sie nicht als Kunstwerke präsentieren. Sie erreichen nicht das Niveau. Es ist als ob man ein einzelnes Wort aus einem Gedicht pickt. Darum arbeite ich gerne mit dem Phenaticoscope, hier sieht das Bild gut aus und ist komplett mit der Animation verbunden. Wie mit einem Musikinstrument: Du kannst es beim Betrachten genießen und es zum Leben bringen, wenn du es spielst. Theoretisch könnte der Betrachter ein Foto von der Zeichnung machen und sie am eigenen Computer in wenigen Schritten zum Leben erwecken. Das wär prima.