Marco Raparelli

 

Fukt Magazin: Deine Zeichnungen haben oft einen humorvollen Ansatz und zeigen alltägliche Szenen und Menschen in surrealen Situationen.
Auf der anderen Seite kann man einen dunklen Unterton entdecken – wie wichtig ist dir dieser Aspekt?

Marco Raparelli: Die Zeichnungen spiegeln das Unperfekte der Figuren, die ich porträtiere, die immergleichen physischen und mentalen Improvisationen. Aus diesem Grund sind meine Zeichnungen gleichzeitig komisch und tragisch, ich bin da wie ein Fernsehprogramm.
Ich setze einen Stil ein, der Zufall und Freiheit reflektiert, wo sonst Gesten und Marken vorherrschen. Und ich akzeptiere bereitwillig Fehler als die grundsätzliche Bedingung des Menschseins.

Fukt Magazin: Wie gehst du vor bei deinen Animationen, beginnst du immer mit einer fertigen Story?

Marco Raparelli: Ich habe nie ein fertiges Soryboard, ich beginne immer mit einer spezifischen Zeichnung oder einem besonderen Bild. Um diese Entwürfe baue ich dann meinen Kreis der Geschichte, in denen die Zeichnungen und Bilder dann möglicherweise nur ein Teil sind.
Ich beschreibe Mikrowelten in denen die Banalitäten des Alltags kontinuierlich vermischt wird mit surrealen Dimensionen. Von dieser Seite aus gesehen sind die Animationen grotesk und ironisch, aber gleichzeitig auch sehr dramatisch.

Fukt Magazin: Dann und wann publizierst du auch Bücher zu deinen diversen Kunstprojekten. Kannst du mir kurz über dein neustes Projekt erzählen?

Marco Raparelli: My Bücher sind verlegt bei Cura.Books und der neuste Titel ist Permafrost.
Die Kapitel reichen von einer Übersicht über Etiquette „über gute Manieren“, in denen die Personen prompt das Gegenteil dessen tun, was korrekt wäre bis zum brillianten Kapitel „Lass uns über Kunst sprechen“, in dem ich einen ironischen Blick auf all die Vorkommnisse in der Kunstwelt werfe während ich mit einem Kunstliebhaber spreche. Das letzte Kapitel „Experiment“ stammt aus einer wahren Geschichte. Es geht um ein Experiment des US-Militärs in den 50ern, als sie die somatischen und psychischen Auswirkungen von LSD auf das Menschsein untersuchten.

Ich benutze diesen Titel, da das Buch ganz heterogene Kapitel enthält(ganz verschiedenartig untereinander). (In der Geologie, Permafrost oder Cryotischer Boden ist ein Boden, der für mindestens 2 Jahre an oder unter dem Gefrierpunkt bleibt.)

Der Permafrost hält die Brüche in hohen Gebirgen zusammen und verhindert so Erdrutsche. So deutet dieser Titel an, wie diese Kapitel vom Auseinanderdriften abgehalten werden. Zudem verbindet sie die Zeichnung als eine gemeinsame narrative Form.

www.marcoraparelli.it

*Fukt Magazin ist ein Magazin für Zeichnung, Herausgeber: Björn Hegardt