Katrin Ströbel

 

Lines Fiction: Deine Arbeit ist geprägt von deine Reisen durch und deinem Leben in afrikanischen Staaten wie Marokko. Senegal, Nigeria und Südafrika. Du hast sogar begonnen, Arabisch zu lernen. Wie beeinflussen diese Reisen deine Arbeit?

Katrin Ströbel: Reisen ist wirklich ein wichtiger Teil meiner Arbeit, denn ich mag es, machmal unter unterschiedlichsten, instabilen und improvisierten Bedingungen zu arbeiten. Ebenso mag ich es, meine Arbeit – oder besser die visuelle Erscheinungsform meiner Arbeit – im nicht-westlichen Kontext zu befragen. Darum reise ich sehr viel in Arabien, in Sub-Sahara-Staaten Afrikas und in Lateinamerika. Das ist manchmal riskant, bisweilen mühsam, aber ich habe in diesen Ländern so viel über meine Arbeit und meine Kunstpraxis gelernt, wie ich es nie in Europa getan hätte! Es stimmt, dass ich mit dem Arabischlernen begonnen habe, bevor ich nach Marokko ging, aber ich spreche und schreibe es kaum. Gut, ich kenne die unterschiedlichen Buchstaben ( sie sehen verschieden aus, je nachdem ob sie am Anfang, in der Mitte oder am Ende des Wortes stehen), ich kann Straßenschilder lesen, Werbung , und ich kann nach einem Brot fragen oder einem Kilo Tomaten in der Medina…

Lines Fiction: Hat deine neue Fähigkeit in fremden Mustern zu schreiben deine ganze Arbeit beeinflusst oder wo siehst du den größten Einfluss auf deine Kunst?

Katrin Ströbel: Es ist schwer zu sagen WIE das meine Arbeit beeinflusst, aber es beeinflusst mich definitiv sehr. Ich war immer sehr interessiert an Kalligrafie als einer Schnittstelle zwischen Bild und Schrift. Aber allein die Tatsache eine Schrift zu lernen, die auf ganz anderen Struktur beruht als andere Sprachen, die ich spreche war eine wichtige Erfahrung. Es öffnete wirklich meinen Kopf: Eine Sprache mit einer komplett anderen Grammatik, völlig ansderen Buchstaben, und vor allem, dass ich lernen musste von rechts nach links zu schreiben war eine Herausforderung, veränderte meine Wahrnehmung und gewiss auch meine Art zu zeichnen. Das wird sehr sichtbar in Zeichnungen aus der Zeit, wie RASM und andere Arbeiten auf Papier. Aber ich denke immernoch nach über die visuellen und verbalen Strukturen von Sprache, und wie diese Bedingungen uns prägen, wenn wir uns in Wort und Bild ausdrücken. Und – vor diesem Hintergrund – wie wir mit Kulturellen Codes grundsätzlich umgehen. Das erste mit dem ich zurecht kommen musste, wenn ich im sogenannten nicht westlichen Kontext arbeitete war, dass die Wahrnehmung meiner Arbeit oft völlig neu war, sie wurde ganz anders „gelesen“ und in einen anderen kulturellen Kontext eingebettet. Wie verändern oder beeinflussen diese Kontexte meine Arbeit? Und was ist – abseis von diesen unterschiedlichen Bedingungen – der autonome, unveränderbare Kern meiner Kunst?