Sebastian Pöllmann

 

Lines Fiction: Deine Animation “the way of life” ist ein Meisterstück im Kurzgeschichtenerzählen: Liebe, Geburt, Tod, Verlassen – und Erwachsenwerden in einer Minute. Deine Animation ist knapp erzählt durch Zeichnungen, die sich scheinbar einfach und amateurhaft zeigen. Du arbeitest auch an Skulpturen, präsentierst raumfüllende Schattenspiele und Videoinstallationen. Haben all diese unterschiedlichen Kunstformen das gleiche Gewicht für deine Arbeit?

Sebastian Pöllmann: ich bin sehr fasziniert vom Puppentheater – ich bin mit dem Marionettentheater meiner Eltern aufgewachsen. So ist meine Arbeit vor allem durch Geschichtenerzählen geformt, davon, Welten zu erfinden, in die man völlig eintauchen kann. Gezeichnete Figuren oder Tonskulpturen sind mehr oder weniger Puppen, die Geschichten erzählen. Das Puppenspiel erlaubt eine beispielhafte Abstraktion, die durch Realismus so nicht erreicht werden kann. Eine Zeichnung ist immer der Beginn einer Idee. Da beginne ich, nach weiteren Möglichkeiten zu suchen, eine Geschichte zu erzählen. Das kann dan eine Tonskulptur, eine computerbasierte Videoinstallation oder ein Schattenspiel sein. Mir gefällt das breite Feld kreativer Transformationen. Es sind völlig unterschiedliche Arbeitsprozesse, aber sie ergänzen sich. Man kann dennoch immer wieder meinen Zeichenstil erkennen.

Lines Fiction: Präsentierst du deine Zeichnungen zusammen mit Animationen in Ausstellungen oder ziehst du es vor, deine Videofilme als Projektionen zu zeigen?

Sebastian Pöllmann: Beides ist möglich. In der Vergangenheit hat es gut gepasst, große Lithografien mit Skulpturen zu kombinieren oder auch einige Zeichnungen zusammen mit einer Animation auf dem Monitor auszustellen. Meine Entscheidung hängt häufig ganz einfach vom Ausstellungsraum ab. Schattenspiele selbstverständlich und Videoinstallationen brauchen einen abgedunkelten Raum und da entscheide ich mich dann für die Projektion.

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