Aline Helmcke

 

Fukt Magazin: Du hast dein MA, Studienabschluss in Animation am Royal College of Art in London gemacht. Zuvor hast du Zeichnung, Installation und experimentellen Film an der UdK Berlin studiert. Warum hast du dich auf Animation konzentriert? Was interessiert dich an diesem Medium?

Aline Helmcke: Während meines Studiums an der UdK war ich völlig absorbiert vom Zeichnen und versuchte, die Grenzen des Mediums auszuloten. Ich wollte mehr über den Prozess des Zeichnens herausfinden, und verschiedene Wege der Darstellung finden, das Resultat waren Serien von Zeichnungen, die auch so präsentiert wurden, Installationen…oder eben Zeichentrick. So interessierte ich mich mehr und mehr für Zeichnungen in Animationen. Für mich bündelte die Animation schließlich alle Aspekte, die mich interessierten: das bewegte Bild, der Zeichentrick, der Rhythmus und der Dialog zwischen Sound und Bild. Aber je mehr ich mich mit Zeichentrick beschäftigte, desto mehr genoss ich es auch an Zeichnungen zu arbeiten, die ausdrücklich nicht Teil eines Animationsfilmes wurden.

Fukt Magazin: Wie wichtig ist dir die Präsentation deiner Animationen? Arbeitest du lieber in einer Galerie, die deine Arbeit als Installation ausstellt oder bevorzugst du die Vorführung auf einem Filmfestival oder in einem Screening?

Aline Helmcke: ich wähle die Galerieumgebung, wenn ich eine Multi-Screen-Installation zeige oder meine Filme zusammen mit meinen Animationen präsentieren möchte. Sehr oft sind das Ergebnis meiner Untersuchungen Zeichnungsserien / Objekte oder Installationen ebenso wie Zeichentrickfilme. Der Galerieraum ermöglicht einen größeren Spielraum für das, was ich erreichen möchte als nur einen Film zu sehen und die Zeichnungen separat zu betrachten. Auf der anderen Seite mag ich die Konzentration, die man auf einer Festivalsvorführung findet, die Atmosphäre im dunklen Kinoraum. Und auch den Kontext mit anderen Filmen in denen dein eigener Film gezeigt wird. Also bin ich sehr froh, dass mir beide Präsentationsmöglichkeiten zur Verfügung stehen.

Fukt Magazin: Im Projekt Filmbox (2009) arbeitest du mit Animationen auf 35mm Filmmaterial, es ist ein interaktives Stück bei dem der Betrachter aufgefordert ist, den Film in Bewegung zu setzen. Kannst du mir mehr darüber erzählen?

Aline Helmcke: Mit Filmbox begann ich kurz vor dem Ende meines Sudiums am RCA. Nach zwei Jahren ausschließlicher Arbeit an Animationen merkte ich, dass dies nicht das einzige war was ich künstlerisch machen wollte, sondern nur eine Weise von vielen in bewegten Bildern zu denken. Filmbox ist das Ergebnis meines Unbehagens mit der Tatsache, dass die Filmindustrie die Filmformate vorgibt und sich die Fimemacher danach richten müssen. Ich beschloss das Filmbild zu befreien und zeichnete auf 35mm Leerfilm in horizontaler Richtung. Außerdem gefiel es mir nicht, dass das Publikum keinen Einfluss auf die Geschwindigkeit hat, in der es den Film sieht. Ich wollte es den Betrachtern selbst überlassen, darüber zu entscheiden, indem sie selbst die Kurbel drehen. In diesem Sinne ist Filmbox eine kritische Reaktion auf die Begrenzungen, die das Medium Film hat.

Fukt Magazin: Gibt es eine/n Künstler/in oder Filmemacher/in, den oder die du zur Zeit besonders interessant findest?

Aline Helmcke: ich schätze die Arbeit von Simon Faithfull sehr, der auch auf dieser Website vertreten ist. Außerdem Anthony McCall mit seinem Kunstwerk „Line describing a cone“ von 1973, das ist eines meiner Lieblingsstücke von ihm (er würde es wahrscheinlich nicht als gezeichnete Animation sehen, aber für mich ist es das, und zwar grenzüberschreitend).

http://ahelmcke.com/

*Fukt Magazin ist ein Magazin für Zeichnung, Herausgeber: Björn Hegardt