Susanne Rosin

Lines Fiction: Das erste Mal, daß ich deinen Film „die Wartende“ gesehen habe war im Kunstverein „Alte Schule“ in Baruth, einem kleinen Ort in Brandenburg. Du bist da Mitglied, und einen Kunstverein außerhalb der Metropole einzurichten hat ja Tradition, ist aber immer ein Wagnis. Wie hat das begonnen?

Susanne Rosin: Der Kunstverein „Alte Schule Baruth“ wurde 1997 von 10 Künstlern und Architekten, die damals in das Gebäude einzogen, gegründet. Wir begannen damit, jedes Jahr im Sommer in einer großen Gruppenausstellung unsere und die Arbeit von befreundeten und ausgewählten Künstlern zu zeigen. Dieses Format haben wir meist beibehalten. Eine Ausstellung im Jahr war und ist für uns machbar und auch das Publikum kommt zur Sommerausstellung mit Sommerfest gerne, wir zählen jedes Jahr ca. 300 – 500 Gäste. Die 20 – 30 ausgestellten Arbeiten beschäftigen sich immer mit einem vorgegebenen Thema. Jedes Jahr legen wir im Winter gemeinsam ein Thema fest und laden gezielt dazu passende Künstler/innen ein. Die Themen kreisen oft um den Standort des Kunstvereins, ein kleiner Ort tief in Brandenburg, aber nicht weit weg von der Großstadt Berlin. Angesichts des vielen Grüns um uns, auch eines Lennéparks vor Ort, nutzen wir gerne die Möglichkeit Ausstellungen im Ort Baruth oder im Grünen zu veranstalten. Gerade die Berliner Künstler und Kunstinteressierten finden diese Besonderheit erkundenswert und besuchen uns regelmäßig. In Berliner Kunstkreisen sind wir inzwischen bekannt, auch weil schon ca. 50 Berliner Künstler/innen ihre Arbeit bei uns gezeigt haben.

Lines Fiction: Die Szene in der Animation: „die Wartende“ scheint ein Blick aus einem Studiofenster zu sein. Das sieht aber nicht aus wie das Fenster in Baruth?

Susanne Rosin: Meine künstlerische Arbeit hat sich mit dem Baruther Kunstverein in zwei Hälften entwickelt, die Atelierarbeit in Berlin und Außeninstallationen in Baruth.

Der dreiteilige Film Langeweile entsteht im Atelier in Berlin. Die Szenen sind meinem persönlichen Leben entnommen. Die einzelnen Animationen sollen in Schwarzweiß beginnen und dann zu einem Farbfilm werden, in dem eine Geschichte zu drei Personen erzählt wird und das Bildmittel Zeichnung durch Malerei und Fotografie erweitert wird. Hier ist der erste Teil „Die Wartende“ zu sehen.

Lines Fiction: Die Zeichnung in „die Wartende“ entstand nicht mit Bleistift und Papier. Aber die langsame Entwicklung der Bilder hat einen sehr graphischen Stil. Wie gehst du vor?

In der Animation erscheinen die Umrisse mit schwarzen Linien, die nach und nach einen Ort zeichnen. Zeichnen ist die einfachste, schnellste und genaueste Art eine Szene zu erfassen. Die Animation lässt das Auge der Betrachter zwischen der zweidimensionalen Zeichnung und dem dreidimensionalen Raum hin und her springen.

Meine Fotoarbeiten basieren auf einer intensiven Auseinandersetzung mit Raum und Fläche.
Ich arbeite immer mit Kulissen. Die Fotosets sind künstlich gebaute Orte. Die Gegenstände zu den Kulissen sind ebenso gebaut und werden zusammen auf dieser „Bühne“ arrangiert und fotografiert. Das Baumaterial ist vor allem Pappe und Papier. Entsprechend zeichne ich die Linien nicht, sondern benutze schwarzes Papier, das an den für eine Zeichnung notwendigen Raumrändern Stück für Stück verklebt wird.

Umso genauer die Zeichnung wird, um so mehr erscheint mit Hilfe von Licht und Schatten der Raum.

Ich wähle die Technik Stop-Motion um nahe bei der Fotografie zu bleiben. Ich möchte die Faszination, dass aus vielen Fotos eine Bewegung und ein Zeitablauf entstehen können, erhalten. Die durch diese Technik wenig perfekten Bildabläufe sind somit sehr erwünscht.

www.susanne-rosin.de

Alte Schule Baruth

die Wartende, 2011
Stop Motion Animation
3:32 min., 1. part of the trilogy "Langeweile"

Animation in großer Auflösung (Flash)
Animation in high resolution (Flash)

Animation für iPhone, iPad
Animation for mobile devices

Susanne Rosin

 

Susanne Rosin