Bettina Munk

 

Lines Fiction: Neben deinen Animationen, die unabhängig von deinen Zeichnungen gesehen werden können, zeigst du auch Zeichnungen und Animationen kombiniert in einer Installation?

Bettina Munk: Ja, die unterschiedliche Natur der Medien Handzeichnung und bewegtes Bild zusammen in einer Installation ergänzen sich und wirken aufeinander. Das gibt der Installation eine neue Komplexität, da beide Medien eine unterschiedliche zeitliche Wahrnehmung erfordern.

In der Installation String zeige ich zwei Animationen Stringmoment und String auf wandmontierten Flachbildschirmen und dazwischen die Reihe S_3, vier Zeichnungen aus meiner Serie.

In beiden Animationen tauchen nacheinander Punkte auf, die allmählich durch pulsierende Linien verbunden werden. Nach einer Weile verschwinden entweder alle zusammen wie ein flüchtiger Gedanke, so in Stringmoment oder es entsteht ein schwingendes Netz, ein ephemerer Körper, wie in der Animation String. Die Zeichnungen zwischen den Monitoren wirken wie Filmstills. In diesen Zeichnungen taucht ein Beobachter auf, ein Avatar für die Betrachter, und die Punkte aus den Animationen mutieren zu teils organisch teils geometrischen Formen. Die Zeichnungen erscheinen wie Nahaufnahmen der bewegten Bilder.

Im Clip, den ich auf Lines Fiction zeige, wird die Verbindung zwischen Zeichnung & Animation deutlicher.

Lines Fiction: Du arbeitest mit Computerprogrammen und Zufallsoperationen?

Bettina Munk: ich schreibe Programme in ActionScript für meine Flash Animationen. Ich habe Zeichnungen und Aquarelle eingescannt, wie z.B. in wysiwyg_jazzy und habe sie dann per Code auftauchen, bewegen und verschwinden lassen. Dass ich Bilder und Filme codieren kann hat mich immer fasziniert. Code hat eine eigene Schönheit. In den beiden Animationen Stringmoment und String setze ich Zufallsmodule ein, die an einem zufälligen Ort auf der Bühne meine bewegten Punkte auftauchen lassen. Dann zeichne ich per Codierung die pulsierenden Verbindungslinien zwischen den Punkten.

Ich benutze auch 3D-programme um eine Animation zu entwickeln, und da wechselwirken Zeichnung und bewegtes Bild direkt miteinander. Ich habe Standbilder aus der Animation „Unbekannte Elemente – plötzlich“ als Zeichenvorlage für meine Zeichnungsserie „Unbekannte Elemente“ genommen. Die Animation, codiert und entwickelt in den Tiefen des Computers, wird durch die Dokumentation in der Zeichnung erst real, das ist die Idee hinter der Installation.

In den Animationen erzeugt das Zufallsprogramm das Bild, in den Zeichnungen würfle ich die Position aller Elemente aus, und in diesen Koinzidenzen entsteht die Komposition.

Das Konzept basiert auf Zufall in der künstlerischen Tradition von John Cage. Ich stimme sehr mit seiner Auffassung von Komposition überein. Seine Ideen beziehen sich auf das I Ging und die östlichen Philosophien, ich habe mich vor allem mit Konzepten der Quantenphysik und ihren Wahrscheinlichkeiten beschäftigt. Das liegt gar nicht so weit auseinander wie man meinen könnte.

Im Englischen hat Zufall : chance, einen positiven Klang: „to get a chance“, eine Gelegenheit. Im Deutschen ist man da etwas vage – und misstrauischer. Etwas fällt einem zu, das kann auch im Unfall enden.

Ich bevorzuge den Begriff Koinzidenz. Im Alltag erleben wir merkwürdige Koinzidenzen, die unsrem Leben eine neue Wendung geben bis das ganze Leben so ausgeformt wird. Und in der Physik suchen die Forscher nach der Natur des absoluten Zufalls, nach Koinzidenzen, die in den Kräften des Universums wirken.

munkmovies.de

Animation String
Computer Animation
with Chance Operations

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String, 2011
installation with 2 monitors (Animations Stringmoment and String)
and a series of drawings:
Series S_3, 1-4

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Stringmoment

Stringmoment

Installation String

Installation

String

String

Installation Origin
Hamburger Kunsthalle
Zeichnungsräume I 2016/2017

Installation Origin Hamburger Kunsthalle

Installation String weiss
Gallery Laura Mars, Berlin 2016

Die Pilotin 2014

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