Sarah Jane Lapp

Sarah Jane Lapp: Im digitalen Zeitalter zeichne ich immernoch mit Rohrfeder und Tinte, da ich – wie ein Vampir nach Blut – nach diesem direkten Kontakt zu Stift und Papier dürste. Ich könnte in meinen Zeichnungen leben; sie sind ordentlicher als mein eigenes Studio und von manchmal ziemlich unnahbaren Menschen bevölkert – die ich zum Beispiel so vom Busfenster aus gesehen habe, während sie über Pflastersteine humpeln mit welken Lilien im Rucksack. Das Überbleibselfreie Potential der digitalen Produktion interessiert mich vor allem wegen des ökologischen Versprechens. Die Kollegen Filmemacher bekommen beim Handentwickeln Krebs und meine Zeichnungen auf Papier zerstören Bäume. Wäre ich ein echter Ökofreak würde ich die Film- und Kunstproduktion noch mit der Komödie eintauschen: meine Witze könnte die Stadt ohne Kosten recyceln. Aber meine selbstsüchtigen Gene wollen sich fortpflanzen und meine RNA wählte das Zeichnen als Vehikel dafür. Jedes kleine promiske Chromosom steckt in einer Linie, ich bringe mir bei, mit dem Computer zu kopulieren, aber die Evolution geht doch langsam…

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