Gabriela Oberkofler

 

Lines Fiction: Du bist in Bozen, Italien geboren und in einem Dorf in den Dolomiten, den Alpen in Südtirol aufgewachsen. Natur und der Ort deiner Kindheit spielen eine Rolle in deinen Zeichnungen, Skulpturen und Installationen. Ist deine Kunst biographisch begründet?

Gabriela Oberkofler: Ja ich würde sagen, meine Kunst ist biographisch geprägt. Du mußt dir vorstellen ich bin in den Dolomiten inmitten einer spektakulären Naturansicht aufgewachsen, umgeben von vielen Tieren, vor allem Pferden. Ich lebte in einer Umgebung mit sehr alten traditionellen Werten, es war eine gelebte Kultur im Einklang mit der Natur. Das verlässt mich nicht. In Italo Calvinos Erzählung „Die unsichtbaren Städte“ spricht Marco Polo davon, daß es bei seiner Beschreibung der vielen von ihm bereisten Städte am Ende es doch immer um Venedig geht. In etwa ist es bei mir auch so. Auch wenn ich die unterschiedlichsten Impulse für meine künstlerische Arbeit bekomme beginne ich mit Bildern aus meiner Vergangenheit und mixe sie mit gegenwärtigen Eindrücken, um etwas Neues entstehen zu lassen.

Lines Fiction: Die prägende Verbindung von Orten mit der eigenen Person kennen wir von Marcel Proust: à la recherche du temps perdu. Du behandelst nun nicht ausschließlich vergangene Eindrücke sondern hast 2007 eine Gruppe gegründet: Local to Local. In der jüngeren Zeit gibt es ein gesteigertes Interesse am Regionalen und dem Konzept von Heimat. Verfolgst du mit deinem Engagement politische Ziele?

Gabriela Oberkofler: Ja ich verstehe mein Engagement auch politisch. Ich bin sehr an lokalen Vorgängen weltweit interessiert. Mit „Local to Local“ sind wir nach Korea, in die Türkei und nach Litauen gereist. Es war sehr wichtig, sich mit dem jeweiligen Ort auseinanderzusetzen, und dabei nicht zu ignorieren, was dort politisch, ökonomisch und sozial passiert. So realisierte ich ein Projekt mit den Pferdewagen auf der Insel Byükada in der Türkei. Aufgrund meiner Kindheitserfahrungen beschäftigen mich Pferde und weise ich auf das Leben der Bauern hin.

Lines Fiction: In deinen Ausstellungen verbindest du Zeichnung und Skulptur oder Animation zu Installationen. Wie war das mit deiner Präsentation CADE?

Gabriela Oberkofler: Ich realisierte CADE für das Museion in Bolzano, der Stadt nahe meines Dorfes. Das Screening füllte als Installation eine ganze Innenseite des Gebäudes. Meine Ausstellung thematisierte die Auflösung traditioneller Strukturen. Was geschieht, wenn der dreihundertjährige Kirchturm meines Dorfes symbolisch ins Museum umgesetzt wird? Was wird geschehen, wenn das uns überlieferte Gefüge verschwindet?

gabrielaoberkofler.de

CADE …es fällt, Videoinstallation Museion Bolzano

CADE, 2011
Es fällt … / Cade …
2012, Videoinstallation, 2:50 Minuten

Animation in großer Auflösung (Flash)
Animation in high resolution (Flash)

Animation für iPhone, iPad
Animation for mobile devices

Susanne oberkofler

Hirschkäfer , 2012, Filzstift auf Papier, 20 × 30 cm

Susanne oberkofler

Erdhummeln, 2012, Filzstift auf Papier, 20 × 30 cm

Susanne oberkofler

Käfer mit Schmetterlingen, 2012, Filzstift auf Papier, 20 × 30 cm

Susanne oberkofler

Liebellen, 2012, Filzstift auf Papier, 20 × 30 cm